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Das Konzept des Waldkindergarten Lippe e.V.
Der Waldkindergarten bietet neuen Raum zum Kindsein
Viele Kinder wachsen heute in einer Umgebung auf, die ihnen wenig Möglichkeiten bietet, sich selbst zu spüren und zu erleben, wie beim Klettern auf Bäume, beim Bauen von Höhlen und Buden, beim Spielen und Toben mit anderen Kindern, beim Rennen und Laufen bis zur Erschöpfung u.v.m. Das Leben in unseren Städten hat sich verändert. Der Straßenverkehr, die immer stärker voranschreitende Flächenversiegelung und die Freiflächen verschlingende Bebauung schränkt die Bewegungsfreiheit für die Kinder enorm ein. Viele Eltern lassen ihre Kinder auf Grund von Gefahren ungern alleine nach draußen. Unseren Kindern bleibt ein geräumiges Kinderzimmer mit viel Spielzeug.
Häufig verbringen Kinder heute schon im Kleinkindalter ihre Zeit vor dem Fernsehgerät, dem Gameboy und Computer.
Spielplätze sind in der Regel mit fest installierten Spielgeräten versehen. Auch hier sind immer Handlungen bereits vorgegeben. Kreativität und freies, fantasievolles Spiel bleiben dabei oft auf der Strecke.
Diese Entwicklung ist in zunehmendem Maße auch bei uns im ländlichen Raum zu beobachten.
Wir wollen mit dem WALDKINDERGARTEN wieder neuen Raum zum Kindsein schaffen. Die Kinder können ihren Bewegungs- und Spieldrang ausleben und, ohne den Überfluss an vorgefertigten Spielsachen, ihre Phantasie und Kreativität entfalten.
Im Wald sind die Möglichkeiten des Auslebens nahezu unbeschränkt. Der Wald bietet den Kindern Raum für Abenteuer. Kinder können sich hier gesund und kindgerecht entwickeln. So hilft der Waldkindergarten, Zivilisationsschäden zu vermeiden, was eine zunehmend wichtige Herausforderung an die Pädagogik in unserer Gesellschaft ist.
Eine Studie aus Schweden, in der Kinder aus Waldkindergärten und Regelkindergärten ein Jahr lang verglichen wurden, zeigt signifikante Unterschiede. In allen verglichenen Fähigkeiten schnitten Waldkinder besser ab. Erhoben wurden: Krankheitstage, die Konzentrationsfähigkeit, Grob- und Feinmotorik und die Problemlösungskompetenz. Die Forschung in Entwicklungspsychologie und Pädagogik zeigt immer mehr, dass gerade die Kompetenzen über schulischen Erfolg entscheiden, die in Schuleignungstests nicht erhoben werden. Sie liegen im emotionalen, sozialen, motorischen und erst an letzter Stelle im kognitiven Bereich. Für die Entwicklung des kognitiven Bereichs sind aber die anderen Bereiche die Basis. Der Wald bietet den Kindern von Anfang an reichlich Gelegenheit diese Fähigkeiten weiter zu entwickeln. Das allerwichtigste ist die Lebensfreude! Aus ihr erwächst die Freude am Lernen und Entdecken. Das Leben in der Natur ist ein Grundbedürfnis, das zur Freude am Dasein unbedingt beiträgt. Aus der Entwicklungspsychologie wissen wir heute, dass nachhaltiges Lernen am Besten im Zusammenspiel mit Begeisterung geschieht. Dazu ist es wichtig, jedes Kind individuell zu betrachten. Unsere Schulkinderaktionen bieten deshalb Herausforderungen, die auf die Bedürfnisse der Kinder abgestimmt sind. Die Kinder erfüllen Aufgaben, in denen Naturkenntnisse gefördert und die Sinne geschärft werden. Besonderen Wert legen wir auf die Schulung des Orientierungssinnes. Die Feinmotorik wird z.B. durch das Erstellen eines Herbariums weiterentwickelt. Schwünge und Kreise malen die Kinder in Sand und Erde, aber auch mit verschiedenen Materialien auf Papier. Auch bieten sich verschiedenste Gelegenheiten zum Schneiden bzw. Schnitzen. Zahlen sind fester Bestandteil des täglichen Miteinanders. (Wie viele Kinder sind da, wie viele fehlen, mehr Jungen oder mehr Mädchen, wie viele Kühe stehen auf der Weide. Wir achten verstärkt darauf, dass die Kinder lernen, sich anderen mitzuteilen und wiederzugeben, was der Andere gesagt hat. Dabei geht es auch um die Kommunikation über Gefühle, Wünsche und Vorhaben. So werden neben der eigenen Ausdrucksweise auch das Zuhören und das Einfühlungsvermögen trainiert, was für das schulische Miteinander von entscheidender Bedeutung ist. Ausflüge in Bäckereien, die Bücherei, das Freilichtmuseum .... mit anschließender Erzählrunde, vertiefen das Verständnis für Zusammenhänge. Wir haben nach eingehender Beschäftigung mit dem Kinder-Bildungsgesetz festgestellt, dass wir allen geforderten Lerninhalten in vollem Umfang gerecht werden. Nur den Umgang mit neuen Medien können wir nicht vermitteln, glauben aber auch, dass das früh genug aufgeholt wird. Weiterführende Literatur:
Am Kupferberg zwischen Hiddesen und Heidenoldendorf befindet sich unser Bauwagen auf einer Obstwiese der Bildungsstätte St. Bonifatius. Von dort aus erkunden wir das Waldgebiet „Donoper Teich“. Unser Waldkindergarten bietet in einer altersgemischten Gruppe Plätze für maximal siebzehn Kinder. Die Kinder werden von einer Sozialpädagogin und einer Erzieherin betreut. Beide absolvierten die Weiterbildung zur „Natur- und Wildnispädagogin“ , die ihnen tiefere Einblicke in den Lebensbereich Wald vermittelt hat. Die pädagogische Grundhaltung Unser Waldkindergarten bietet die Chance einer humanökologischen Entfaltung Wir wollen:
Der Waldkindergarten soll konfessionell ungebunden sein. Es soll eine Offenheit anderen Religionen aber auch atheistischen Weltanschauungen gegenüber herrschen. Alles kann kennengelernt und besprochen werden, wobei jedes Kind in seinem persönlichen bzw. familiär vermittelten Glauben respektiert wird. Die Feste unseres Kulturkreises wie Weihnachten und Ostern werden in unseren jahreszeitlichen Ablauf mit einbezogen. Versteht man Religion als „Rückanbindung an die Welt“, so ergeben sich religiöse Inhalte durch das Wahrnehmen der Natur und das damit verbundene Staunen über die Lebewesen, die Erde und den Himmel. Die Kinder können so eine liebende und achtungsvolle Beziehung zu ihrer Umwelt entwickeln und sich selbst als Teil des Ganzen erleben. Dieses Zugehörigkeitsgefühl ist, wie immer mehr Wissenschaftler feststellen, für die emotionale Entwicklung von entscheidender Bedeutung. Wichtig zu Wissen: Unsere Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 8:00 Uhr –13:00 Uhr Bringzeit: ab 8:00 bis 9:00 Uhr Abholzeit: ab 12:30 Uhr bis 13:00 Uhr Freispielmöglichkeiten:
Medizinische Versorgung, Unfallgefahr Eine Erste Hilfe Ausrüstung gehört zum Tagesgepäck der Erzieherinnen, ebenso Handys für Notfälle. Zu einer Ärztin in der Umgebung wird Kontakt gehalten, so dass eine Unterstützung in medizinischen Fragen gegeben ist(Elterninformationen usw.). Das aufgesuchte Gelände wird von den Mitarbeiterinnen jedes Mal aktuell auf neue Gefahrenquellen überprüft. Über gesundheitliche Risiken, die mit dem Aufenthalt in der Natur verbunden sein können, wird auf einem Informationselternabend aufgeklärt (z.B. zum Thema Zecken, Fuchsbandwurm, prophylaktische Maßnahmen und Verhaltenstipps). Um Zeckenbefall, Insektenstiche und Schürfwunden einzuschränken, wird den Eltern dringend empfohlen, ihren Kindern auch im Sommer langärmlige - wenn auch dünne - Oberbekleidung und lange Hosen, die in die Socken gesteckt werden, anzuziehen. Auch sind Stoffmützen mit Nackenschutz empfehlenswert. Eine Wasserkanne zum Händewaschen vor dem Frühstück zur Infektionsvermeidung wird auf dem Bollerwagen mitgeführt. Die Unfallgefahr ist im Waldkindergarten erfahrungsgemäß eher geringer als in Regelkindergärten. ElternarbeitUm den Kindern den Übergang in ihren neuen Lebensabschnitt zu erleichtern, kann ein Elternteil sein Kind bei Bedarf in den ersten Tagen begleiten. Vor der Entscheidung, ein Kind in den Waldkindergarten anzumelden, können Besuchs- bzw. Probetage mit uns vereinbart werden. Es besteht jederzeit die Möglichkeit, Einzelgespräche oder Hausbesuche mit dem pädagogischen Team zu vereinbaren. Darüber hinaus unterstützen die Eltern unsere Arbeit durch verschiedene Aufgaben, z.B. bei der Gestaltung des Geländes, Säuberungen und Reparaturen, Vorstandsarbeit, Vertretung im Wald.... Bekleidung und was für den Aufenthalt im Wald gebraucht wirdWichtig für die Kinder ist eine jahreszeitgemäße und witterungsangepasste Waldbekleidung! In den Sommermonaten sollten alle Kinder einen Sonnenhut oder eine Sonnenmütze tragen. Die Kleidung sollte leicht und bequem sein, dünne lange Hosen und langärmlige Shirts sind ratsam, denn von Frühjahr bis Herbst ist Zeckenzeit, auch ist es im Wald immer kühler als in der Sonne. Festes Schuhwerk benötigen die Kinder jeden Tag. Bei Regen sind Buddelhosen ohne Träger, Regenjacken und Gummistiefel erforderlich. Bewährt hat sich der "Südwester". Dieser Regenhut hat einen ausladenden Rand, der bei starkem Regen als "Regenrinne" das Wasser aus dem Gesicht fern hält. Im Winter bei Regen haben sich gefütterte Gummistiefel mit Einlegesohlen aus Schafwolle und dicken Wollsocken bewährt, aber auch „wasserdichte“ Stiefel sind geeignet. Sie halten jedoch Pfützen nicht stand. Wenn es kalt ist, ist der sogenannte 'Zwiebel- Look' am geeignetsten, d.h. mehrere Schichten Kleidung übereinander, die je nach Temperatur ausgezogen werden können. Dünne Jacken mit viel darunter, möglichst mit ärmelloser Weste, sind ideal. Was bringen die Kinder in den Wald mit?Jedes Kind trägt einen kleinen Rucksack. Der sollte nicht zu groß und nicht zu klein sein und muss gut sitzen. Ein Stück ISO-Matte dient beim Frühstück als Sitzunterlage. Im Rucksack befinden sich zudem noch ein kleines Handtuch, Frühstücksdose und eine Kinder-Thermosflasche mit Becher. Frühstück, bestehend aus vollwertigem Brot und Rohkost, einschließlich eines ungesüßten Getränkes in der Thermosflasche, bringen die Kinder von zu Hause mit. Kosten der KinderbetreuungDie Beiträge für die Kinderbetreuung sind einkommensabhängig und werden von der Stadt Detmold erhoben. Die erforderliche Mitgliedschaft im Verein beträgt jährlich 20 €. AusblickDie Veränderung unserer Umwelt in den letzten Jahrzehnten -gerade in den Städten - schafft Rahmenbedingungen, die unsere Kinder zu "kleinen Erwachsenen" macht, die einen Computer wie selbstverständlich handhaben. Jedoch bleibt dabei das Verständnis für natürliche Zusammenhänge und die sinnliche Erfahrung der Umwelt auf der Strecke. Nicht nur zugunsten unserer Kinder, sondern auch für eine positive Entwicklung unserer Gesellschaft sollte dem entgegengewirkt werden. Deshalb ist eine Vernetzung mit ähnlichen Einrichtungen in der Stadt geplant. Angesichts der Bemühungen vieler Kindergärten u.a. Institutionen, mehr Natur in den Alltag der Kinder zu bringen, ist aber auch eine Zusammenarbeit mit Regeleinrichtungen auf jeden Fall sinnvoll, um diese Entwicklung zu unterstützen. Da sich auch im pädagogischen Bereich Entwicklungen oft in Pendelschlägen vollziehen, ist es durchaus möglich, dass "Waldkindergärten", "Waldtage" in Regeleinrichtungen und ähnliche Variationen zum Trend werden. Dabei muss im Sinne einer positiven Festigung solcher Maßnahmen auf ihre Qualität geachtet werden. Der Natur- oder Waldkindergarten ist deshalb für Eltern, Kinder und Erzieherinnen eine Herausforderung, die sich lohnt, und die über den eigenen Nutzen hinausgeht. Auch dies gilt es, in den Eltern der Einrichtung zu verankern. Darüber hinaus ist eine Vernetzung gleicher oder ähnlicher Einrichtungen auf Bundes- und Landesebene sinnvoll und nützlich, um durch verstärkten Erfahrungsaustausch eine Qualitätssicherung zu erreichen und die Projektidee zu vertiefen und auszubauen. Schließlich muss das Berufsbild des/der Waldkindergartenpädagogin definiert und im Ausbildungswesen so verankert werden, dass auch hier eine fachliche Qualifizierung nach anerkannten Standards möglich ist. Ausbildungsstätten für ErzieherInnen und FHs für den Studiengang „Pädagogik der Kindheit“ bieten wir gerne Möglichkeiten für praktisches Lernen an. Gleichzeitig möchten wir an einem engen Kontakt zu Regeleinrichtungen arbeiten, damit einerseits "Inselbildung" vermieden und andererseits die Idee der naturnahen Pädagogik vermittelt wird. Wir hoffen, dass die Verwirklichung des Projektes auch anderen Mut gibt, neue, ungewöhnliche Wege zu gehen. Bei Interesse können Sie HIER* unser Konzept downloaden. *= Das Konzept ist ein Dokument im pdf-Format, das mit dem kostenlosen Acrobat Reader betrachtet, gespeichert und gedruckt werden kann. Wenn der Acrobat Reader nicht installiert ist, kann er hier problemlos kostenlos runtergeladen und installiert werden:
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